Deutscher Markt
Die Diskussion um den neuen Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland wird in den Medien hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Zulassung privater Wettanbieter geführt. Dies ist durchaus nachvollziehbar, da dies großen Einfluss auf die Werbeeinnahmen der großen Bundesliga Klubs hätte. Die Klubs der DFL erwarten sich durch die Aufhebung des Werbeverbots jährliche Zusatzeinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe. Wettanbieter die Millionen in die deutsche Bundesliga investieren möchten sind natürlich für die Leser "greifbarer" als Online Casinos deren Namen nur eingefleischte Online Casino Spieler kennen. Fakt ist jedenfalls, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag nicht nur Online Sportwetten neu regeln muss, sondern auch Offline Glücksspiele zu denen auch Lotto und Spielautomaten (so genannte Geldspielgeräte) gehören. Wie groß der gesamte Glücksspielmarkt mittlerweile ist zeigen die folgenden Statistiken.
2009 lag der gesamte Bruttoertrag im deutschen Glücksspielmarkt bei € 10,3 Mrd. Den größten Anteil hatten die staatlichen Lottoangebote wie "Lotto 6 aus 49", "Super 6", "Glücksspirale" oder "Spiel 77". Insgesamt kamen die Lottoangebote (ohne Oddset und Toto) auf einen Bruttoertrag von € 4,42 Mrd (Anteil: 42,7%). Dahinter folgen gewerbliche Automaten (wie sie in vielen Gaststätten zu finden sind) mit einem Bruttoertrag von € 3,34, was einem Anteil von 32,3% des Gesamtmarktes entspricht. Die staatlichen Spielbanken konnten - verhältnismäßig geringe - € 0,77 Mrd. einnehmen.1
Anmerkung: Bruttoertrag = Spieleinsätze - Spielgewinne
Beispiele: Setzt man eine Wette für € 10 und verliert diese, dann beträgt der Bruttoertrag € 10. Spielt man danach noch eine Wette und gewinnt € 3 dann liegt der gesamte Bruttoertrag bei € 7 (= €10 - € 3)
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Bruttoertrag |
% Gesamtmarkt |
% Online Markt |
| Lotterien | (staatlich) | 4,42 | 42,7% |
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| Automaten | (privat) | 3,34 | 32,3% |
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| Spielbanken | (staatlich) | 0,77 | 7,4% |
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| Offline Wettbüros | (privat) | 0,48 | 4,6% |
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| Online Poker | (privat) | 0,34 | 3,3% |
33,4% |
| Online Wetten | (privat) | 0,30 | 2,9% |
29,4% |
| Online Casinos | (privat) | 0,21 | 2,0% |
20,6% |
| Online Games | (privat) | 0,03 | 0,3% |
2,9% |
| Oddset + Toto | (staatlich) | 0,10 | 1,0% |
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| Pferdewetten | (privat) | 0,06 | 0,6% |
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| Schwarzmarkt Wetten |
(privat) | 0,16 | 1,5% | |
| Online Lotto | (privat) | 0,14 | 1,4% | 13,7% |
| € 10,35 Mrd. |
Tabelle: Jährlicher Bruttoertrag im deutschen Glücksspielmarkt
Bruttoerträge in Milliarden Euro
Online Glücksspiele (Sportwetten, Casino, Poker, Games und Lotterien) erzielten 2009 einen Bruttoertrag von € 1,018 Mrd. Davon entfiel der größte Teil auf Online Poker ( € 0,34 Mrd.), gefolgt von Online Sportwetten ( € 0,29 Mrd.), Online Casinos ( € 0,21 Mrd.) und Online Lotterien ( € 0,14 Mrd.) sowie Online Games ( € 0,03 Mrd.). Interessant ist, dass der Online Markt lediglich 10% des Gesamtmarktes ausmacht. Ebenso interessant ist, dass Online Poker einen höheren Marktanteil als Online Sportwetten aufweist.
Stichwort Oddset: Wie eingangs bereits erwähnt wurde, dreht sich ein Großteil der Berichterstattung zum Glücksspiel in Deutschland um Sportwetten bzw. private Wettanbieter. Die Umsätze des staatlichen Wettanbieters Oddset schrumpften von 2005 bis 2009 um nicht weniger als 57%. 2009 verzeichnete Oddset nur noch einen Umsatz von € 185 Mio. Der Bruttoertrag dürfte damit im Bereich von € 37 Mio. - € 74 Mio. liegen wenn man von einer Auszahlungsquote im Bereich von 60% - 80% ausgeht. Gleichzeitig lag 2009 der Bruttoertrag bei Online Wetten von privaten Wettanbietern bei € 295 Mio. Im Vergleich zum Jahr 2005 (€ 110 Mio.) entspricht dies einem Wachstum von beinahe 170%. Dazu kommt noch, dass Offline Wetten (Wettshops) im Jahr 2009 einen Bruttoertrag von € 480 Mio. erwirtschafteten. Online + Offline Wetten von privaten Wettanbietern generierten 2009 einen Bruttoertrag von € 775 Mio.
Die Realität im Sportwetten Markt ist, dass das staatliche Wettangebot von Oddset in den letzten Jahren rasant an Marktanteilen verloren hat und nur noch eine Nebenrolle spielt. Es sind vor allem die deutlich höheren Wettquoten der privaten Wettanbieter, die zu diesem Umschwung im Kräfteverhältnis geführt haben. Die meisten Wettkunden sehen keinen Grund warum sie zu deutlich niedrigeren Wettquoten bei Oddset spielen sollten, wenn private Wettangebote genutzt werden können die deutlich attraktiver sind (die Auszahlungsquote bei privaten Wettanbietern liegt bei 90 - 95%).
| Umsätze | 2005 | 2009 | Änderung |
| Oddset + Toto | 432 | 185 | - 57% |
| Online Wettanbieter | 110 | 295 | + 168% |
Tabelle: Umsätze Oddset/Toto vs. private Wettanbieter
Umsätze in Millionen Euro
Betrachtet man alle Arten des Glücksspiels isoliert, dann werden mit Spielautomaten die höchsten Bruttoerträge erzielt. Während Lotto "6 aus 49" 2009 auf einen Bruttoertrag von "nur" € 2,25 Mrd. kommt, wurden mit Spielautomaten über € 3,2 Mrd. erwirtschaftet. Für 2010 geht das IFO sogar von einem Bruttoertrag von € 3,9 Mrd. aus. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Anzahl an aufgestellten Geldspielgeräten (Spielautomaten) von 2005 bis 2010 von 183.000 auf 237.000 angestiegen ist.2
Hintergrund: 2006 wurde eine neue Spielverordnung erlassen, die es ermöglichte, dass in Gaststätten ein zusätzlicher Spielautomat aufgestellt werden durfte. Damit erhöhte sich die maximale Anzahl von zwei auf drei Geldspielgeräte. Für Spielhallen wurde die maximale Anzahl von 10 auf 12 Spielautomaten angehoben. Im Gegensatz zu Sportwetten oder Lotterien werden Spielautomaten derzeit nicht durch den Glücksspielstaatsvertrag reguliert, sondern unterliegen dem "gewerblichen Gewinnspiel" welches wiederum dem Wirtschaftsrecht unterstellt ist.
1. Studie Glücksspielmarkt Deutschland
2. IFO Studie Unterhaltungsautomaten