Schätzungen zufolge werden 2011 in Europa mit Online Glücksspielen Bruttomargen von über $ 15 Mrd. erzielt. Zwischen 2003 und 2010 wuchs der Markt für Online Glücksspiele um beinahe 800% und auch für die Zukunft wird Wachstum prognostiziert. Jahrelang wurden in vielen Staaten die Marktrealitäten schlichtweg ignoniert. Online Sportwetten und andere Glücksspiele von privaten Anbietern wurden untersagt bzw. nicht reguliert; in weiterer Folge siedelten sich die Unternehmen auf Malta oder Gibraltar an und beantragten dort Lizenzen mit denen europa- und weltweit operiert wird.
Beispiel Deutschland: Obwohl dem staatlichen Wettanbieter Oddset gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag ein Monopol auf Sportwetten eingeräumt wurde, fallen dessen Umsätze von Jahr zu Jahr, während die privaten Wettanbieter starke Umsatzzuwächse verbuchen können. Deutschland ist kein Einzelbeispiel; auch andere Staaten in Europa haben Online Glücksspiele von privaten Anbietern untersagt. Dies änderte nichts daran, dass sich die Umsätze von privaten Wettanbietern prächtig entwickelten. Nun scheint es, dass zahlreiche Staaten die Notwendigkeit einer Regulierung des Marktes erkannt haben. Schließlich können dadurch auch zusätzliche Steuereinnahmen lukriert, und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Was tut sich derzeit also bei der Regulierung von Sportwetten und anderen Glücksspielen in Europa?
Deutschland
Im September 2010 wurde der Glücksspielstaatsvertrag - der das Angebot von privaten Sportwetten untersagt - durch den europäischen Gerichtshof gekippt. Dieser Glücksspielstaatsvertrag ist noch bis Ende 2011 gültig. An einer Neuregelung des Glücksspiels in Deutschland wurde bereits (bislang erfolglos) gearbeitet. Der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht die Vergabe von sieben Lizenzen für private Anbieter vor. Zudem soll eine Konzessionsabgabe in Höhe von 16,67% des Spielumsatzes eingehoben werden. Der Entwurf wurde von 15 Ländern verabschiedet und zur Notifizierung nach Brüssel geschickt. Dort erteilte man dem Entwurf eine Abfuhr und forderte Nachbesserungen. Zahlreiche Passagen seien erneut nicht mit Europarecht vereinbar.
Den Entwurf nicht mitgetragen hat Schleswig-Holstein. Dort hat man ein eigenen Entwurf präsentiert, der von Brüssel in keinem Punkt beanstandet wurde. Schleswig-Holstein möchte noch im August das Glücksspielgesetz verabschieden und könnte damit ab 1.1.2012 Lizenzen an private Anbieter von Online Glücksspielen vergeben.
Frankreich
Rechtzeitig zur WM 2010 in Südafrika wurden in Frankreich private Wettanbieter zugelassen (auch Poker wurde privaten Anbietern zugänglich gemacht). Zusätzlich zur gewöhnlichen Unternehmenssteuer müssen Wettanbieter im Durchschnitt 9% des Wettumsatzes als Steuer abführen. Die Umsatzbesteuerung hat zu fallenden Wettquoten geführt. Einige namhafte Wettanbieter wie Unibet oder William Hill haben es abgelehnt zu diesen Bedingungen im französischen Markt zu arbeiten. In den ersten zwölf Monaten nach der Liberalisierung wurde ein Sportwetten Umsatz von knapp € 750 Mio. erzielt - Tendenz fallend. Schätzungen zufolge wird nach wie vor ein erheblicher Teil der Glücksspielumsätze bei nicht lizensierten Anbietern erwirtschaftet. So sollen über 800.000 Franzosen in Online Casinos spielen, die nach wie vor nicht durch das neue Glücksspielgesetz reguliert sind. Eine Regulierung des Online Casino Bereiches wird beispielsweise von Betclic gefordert. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Ergebnisse nach einem Jahr die Erwartungen aller Beteiligten nicht erfüllen konnten. Experten gehen davon aus, dass eine Senkung des Steuersatzes für Sportwetten innerhalb der nächsten 1 - 2 Jahre wahrscheinlich ist.
Spanien
In Spanien steht für 2012 die Liberalisierung des Glücksspielmarktes bevor. Der derzeitige Entwurf sieht eine 20% - 25% Glücksspielsteuer auf die Bruttoerträge (=Wetteinsätze - Wettgewinne) vor. Zusatzlich dazu ist noch die gewöhnliche Unternehmenssteuer zu entrichten. Darüber hinaus plant der spanische Staat auch Steuern für die vergangenen fünf Jahre rückwirkend einheben. Sportwetten von privaten Wettanbietern waren in Spanien bislang nicht reguliert.
Umso interessanter ist es, dass der graue Markt sehr offensichtlich toleriert wurde. Bwin schloss beispielsweise einen hochdotierten Sponsoringvertrag mit Real Madrid ab, Unibet tat das gleiche mit dem FC Valencia. Alles unter den "strengen" Augen der Gesetzeshüter, die nun plötzlich auch Sponsoringaktivitäten von einer gültigen Lizenz in Spanien abhängig machen wollen. Alle bestehenden Sponsoring- und Werbedeals dürfen bis zum 1.1.2012 ohne Strafe aufrecht erhalten werden. Danach dürfen nur noch Unternehmen werben, die eine spanische Glücksspiellizenz besitzen. Derzeit ist jedoch noch nicht klar für welche weiteren Spielarten (Casino, Bingo ... ?) Lizenzen vergeben werden. Fest steht jedenfalls, dass Lizenzen für Sportwetten ausgegeben werden.
Griechenland
Durch die Schuldenkrise sind besonders die Griechen auf der Suche nach neuen Einnahmemöglichkeiten. Sportwetten von privaten Wettanbietern sollen zukünftig erlaubt werden. Die Anbieter sollen 30% des Bruttoertrages als Glücksspielsteuer abführen. Auch Kunden werden zur Kasse gebeten. 10% der Wettgewinne wandern in die Staatskasse. Zudem sollen die Unternehmen - wie in Spanien - rückwirkend besteuert werden, da die Wettanbieter bereits jahrelang in Griechenland aktiv sind. Derzeit sieht es danach aus, als ob Wettanbieter bis 1.1.2010 rückwirkend die Glücksspielsteuer entrichten müssen. Das neue Glücksspielgesetz sieht zudem ein Verbot von Wettbörsen vor.
Großbritannien
William Hill verlegte die Online Sparte vor zwei Jahren nach Gibraltar um der britischen Glücksspielsteuer zu entkommen. Gibraltar und Malta stehen auf der "white list" der britschen Gaming Commission, daher können Wettanbieter die über eine Glücksspiellizenz in einem der beiden Länder verfügen, auch regulär in Großbritannien werben bzw. Einsätze auf Glücksspiele annehmen. Für die Wettanbieter liegen die Vorteile auf der Hand: während in Großbritannien die Bruttoerträge mit 15% besteuert werden, liegt der der Steuersatz auf Gibraltar bei 1% des Spielumsatzes. Geht es nach dem Willen der britschen Regierung, dann sollen in Zukunft Anbieter die Einsätze aus Großbritannien annehmen, dafür auch die britische Glücksspielsteuer von 15% berappen. Während Ladbrokes dieser möglichen Änderung relativ gelassen entgegensieht, ließ William Hill verlautbaren, dass man um keinen Preis nach Großbritannien zurückkehren möchte.
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